Vor dem Hintergrund der generellen Entwicklungstrends “Nahrungs und Genußmittelgewerbe” lassen sich unter besonderer Berücksichtigung der Bereiche Fleisch und Backwaren für die Emscher-Lippe-Region folgende Hauptherausforderungen ausmachen:
- Die ökologische Dimension wird für die Nahrungswirtschaft quasi von Tag zu Tag wichtiger. Zum einen geht es für große Teile des Gewerbes bereits heute darum, die Qualität und gesundheitliche Unbedenklichkeit ihrer Produkte nachzuweisen. Zum anderen ist schon erkennbar, daß in Zukunft nicht nur die Produkteigenschaften selbst auf dem Prüfstand stehen, sondern daß auch nachgewiesen werden muß, daß die Angebote ökologisch einwandfrei hergestellt und verteilt worden sind.
- Der Trend zur höheren Qualität wird weitergehen und von den Unternehmen offensiv aufzunehmen sein.
- Viele Produkte lassen sich heute nur noch verkaufen, wenn sie mit einem von vielen Verbrauchern geführten (oder gewünschten) Lebensstil in Verbindung zu bringen sind. Vor diesem Hintergrund ist absehbar, daß diejenigen Anbieter in Zukunft bessere Chancen haben, die aufzeigen können, wie und was ihre Angebote zur Verbesserung der Lebensqualität der Kunden beitragen.
- In den heute zum Teil noch handwerklich geprägten Bereichen des Nahrungsmittelgewerbes ist mit einem Schub bei der Modernisierung der Produktion zu rechnen. Impulse sind hier sowohl von der Lebensmitteltechnologie als auch von der Automatisierungstechnologie zu erwarten; und in vielen Betrieben steht auch noch die Modernisierung der Organisatoren aus.
- Bei den Bäckereien ist mit einer deutlichen Zunahme der Konzentration zu rechnen; die dann übrig bleibenden Unternehmen werden in ihrer Struktur stärker industriell geprägt sein und über zahlreiche Filialen verfügen und/oder branchenfremde Verkaufsstellen beliefern, die die Produkte nur noch leicht bearbeiten (vor allem: aufbacken) und verkaufen. Bei den Fleischereien wird die Zukunft in erster Linie davon abhängen, ob es ihnen gelingt, sich dem Verbraucher gegenüber als Vertrauensinstanz darzustellen, die für die Qualität und gesundheitliche Unbedenklichkeit der verkauften Produkte (und verwendeten Rohstoffe) bürgt. In der Industrie wird damit begonnen, Rohwarenkennzeichnungssysteme einzuführen, mit deren Hilfe einwandfrei festzustellen sein wird, woher problematische Rohstoffe stammen; dies wird den bisherigen Vorsprung des Fleischers, mit seiner Person für gute Qualität des verwendeten Materials zu bürgen, untergraben.
- Vor allem im Handwerk bestehen Personalrekrutierungsprobleme. Wenn es dem Nahrungsmittelgewerbe in der Emscher-Lippe-Region nicht gelingt, die Arbeit in ihren Betrieben attraktiver zu machen und sich durch mehr Aus- und Weiterbildung auf die anstehenden Herausforderungen einzustellen, werden die Unternehmen dazu verurteilt sein, eine “Strategie der billigen Arbeit” zu fahren. Mit solchen Belegschaften jedoch wird es jedoch kaum gelingen, die für viele Betriebe überlebenswichtigen Maßnahmen zur Verbesserung der Produktqualität und -vielfalt, zu größeren Kundenorientierung, Effizienz und Anpassungsfähigkeit zu realisieren.
- Über die Exportaktivitäten des Nahrungsmittelgewerbes in der Emscher-Lippe-Region sind kaum zuverlässige Daten zu präsentieren. Verschiedene Informationen lassen sich jedoch zu dem Eindruck verdichten, daß die Exporte durchaus noch gesteigert werden können. Auch hier liegt also eine Zukunftsaufgabe für das Nahrungsmittelgewerbe NRW.
Zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen in Kooperation
mit der Ruhr-Universität Bochum

